Ein Blick in die Entstehungsgeschichte vom Reussdelta.

Gestern und Heute 

Bis Anfang der Achtziger Jahre sah es schlecht aus für das Urner Reussdelta. Meter für Meter verschwand die Uferlandschaft im See. Eine Ursache dafür war der seit über hundert Jahren an-dauernde Kiesabbau durch die «Kompanyy». Zum Glück gelang es aber gerade rechtzeitig, Ge-gensteuer zu geben.
Die Reuss hatte es den Urnerinnen und Urnern noch nie leichtgemacht. Wie ein unheilbringen-der Lindwurm schlängelte sie sich durch die Reussebene, überschwemmte Äcker und Dörfer, brachte Epidemien und Hungersnöte. Mitte des 19. Jahrhunderts sagten die Menschen dem Gewässer den Kampf an. Sie kanalisierten die Reuss, zwangen sie in ein künstliches Flussbett und verlegten das Mündungsgebiet. Doch die Rechnung ging nicht auf – im Gegenteil: Das Geschiebe blieb liegen und so stieg das Wasser schneller als je zuvor. Nun verlängerte man den Reussdamm 300 Meter weit in den See hinaus, was die Hochwasser seltener werden liess, die natürliche Entwicklung der Flusslandschaft aber hemmte.

 
Rohstoffquelle im Urnersee 

Schon früh entdeckte man das von der Reuss laufend angeschwemmte Material als Rohstoffquelle. So begann man Ende des 19. Jahrhunderts, am südlichen Ufer des Urnersees Kies abzubauen. Die Bagger der «Kompanyy» – wie die Einheimischen das Flüeler Sand- und Kiesunternehmen Arnold & Co. nennen – wurden immer grösser und das Ufer verschwand zusehends im See. Und damit die Lebensräume vieler Pflanzen und Tiere, die auf die sogenannten Flachwasserzonen angewiesen waren. Kritische Stimmen wurden immer lauter. Nicht zuletzt, als der Reussdamm zu brechen drohte.

 
Fünf vor zwölf 

Es war höchste Zeit zum Handeln: Kiesabbau ja, aber nur im Einklang mit dem Natur- und Erholungsraum. Die «Kompanyy» zeigte sich kooperativ und liess einen Landschaftsentwicklungsplan erstellen, der einen nachhaltigen Abbau von Sand und Kies erlaubt, aber der Natur den nötigen Platz verschafft. Für die Flusslandschaft war dieser Plan die Rettung. Zur Umsetzung dieses Plans entstand das Reussdeltagesetz, das 1985 vom Urner Stimmvolk mit überwältigendem Mehr angenommen wurde.